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3 Fragen an: Massimo Lopes, Vorsteher Institut für molekulare Krebsforschung

Massimo Lopes
Bild: Philippe Wiget

WoSpitzeninfrastruktur für Spitzenforschung

WoWoran forschen Sie derzeit in der Krebsforschung?

Spezifische Störungen des DNA-Replikationsprozesses - der für die schnelle Teilung von Krebszellen zwingend erforderlich ist - wurden kürzlich mit der Tumorentstehung in Verbindung gebracht. Derselbe Prozess wird aber auch von mehreren klassischen und neuen Krebs-Chemotherapeutika angegriffen, um die Vermehrung von Krebszellen zu stoppen oder sie sogar abzutöten. Wir kombinieren modernste Mikroskopie und Einzelmolekül-Techniken mit klassischer Zell- und Molekularbiologie und versuchen, diese klinisch relevanten Störungen der DNA-Replikation zu verstehen. Dieses Wissen wollen wir nutzen, um unser molekulares Verständnis von Krebs zu verbessern und die therapeutischen Möglichkeiten zu erweitern.

Wo sehen Sie die Krebsforschung im Jahr 2050? 

Wir müssen die klinische Krebsforschung verbessern, d.h. vom Labor zum Krankenbett forschen («bench to bedside») um die Anzahl möglicher Therapien einerseits zu vergrössern und andererseits besser auf die neuesten technologischen Fortschritte der Krebsgrundlagenforschung abzustimmen. Dazu gehört beispielsweise der Einsatz von Tumororganoiden oder von spezialisierten zell- und molekularbiologischen Techniken. Das Ziel ist esmehr positive Reaktionen auf Behandlungsmöglichkeiten zu erzielen. 

Unsere Mission ist es, Grundlagenforschung und klinische Krebsforschung zu verbinden. Vor allem wollen wir die direkte Anwendung modernster Technologien an jenen klinischen Stichproben fördern, die das Potenzial haben, Schlüsselmechanismen der Krebsentstehung und -therapie aufzudecken. Dass wir das genetische «Profiling» von Tumoren mit unseren diagnostischen Pipelines und funktionellen Techniken abstimmen ist zwingend, wenn wir geeignete Krebsbehandlungstherapien pro Patient personalisiert festlegen wollen.

Wie wird sich die Forschungsinfrastruktur bis dahin entwickeln müssen, um exzellente Forschungsergebnisse zu erzielen?

Wir dürfen keine Gelegenheit verpassen, bei der sich Grundlagenforscher und klinische Forscher treffen, diskutieren und ihre Forschungsgebiete gegenseitig besser verstehen lernen. Wir müssen auch nach Möglichkeiten suchen, das Potenzial diagnostischer Plattformen zu erweitern und jene spezialisiertenTechniken schnell zu integrieren, die nachweislich das Potenzial haben, therapeutische Entscheidungen zu unterstützen. Um diese Lücke zwischen molekularem Verständnis und therapeutischen Entscheidungen zu schliessen, bedarf es letztlich einer Vision und finanziellem Engagement, damit Molekularbiologen, Bioinformatiker und Onkologen näher zusammenarbeiten und Synergien entfalten können. 

Antworten von Massimo Lopes vom 4. Februar 2021 zum Weltkrebstag 2021.